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Merit Order: Warum Gas den Strompreis für Immobilienportfolios prägt

vor 17 Stunden
3 Min. Lesezeit

Im Juli 2026 erreichte der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromerzeugung laut Next Kraftwerke den bis dahin höchsten Wert des Jahres. Zugleich verteuerte sich Strom für die Lieferung 2027. Die Merit Order hilft, diesen Zusammenhang zu verstehen. Für Immobilienportfolios sind Verbrauchsprofil, Gaspreisentwicklung und Beschaffungsstrategie gemeinsam zu betrachten.



Wie die Merit Order den Strompreis bildet

Die Merit Order beschreibt vereinfacht die Reihenfolge der Erzeugungsangebote nach ihren kurzfristigen Grenzkosten. Wind- und Solarstrom stehen typischerweise am Anfang, weil keine Brennstoffkosten anfallen. Reicht diese Erzeugung nicht aus, werden weitere Angebote benötigt. Das letzte noch benötigte Angebot bestimmt den einheitlichen Marktpreis des jeweiligen Lieferintervalls. Dabei kann ein Gaskraftwerk preisbestimmend sein; das gilt jedoch nicht für jedes Intervall. Seit dem 1. Oktober 2025 handelt der gekoppelte Day-Ahead-Markt in Viertelstunden.


Warum viele Erneuerbare nicht automatisch niedrige Terminpreise bedeuten

Im Juli 2026 lag der Anteil erneuerbarer Energien an der deutschen Stromerzeugung bei 71,5 Prozent. Gleichzeitig gab es 79 Stunden mit negativen Day-Ahead-Preisen und an 22 Tagen zeitweise eine negative Residuallast. Diese Entwicklung betrifft vor allem den kurzfristigen Spotmarkt und häufig die Mittagsstunden.

Der Terminmarkt bewertet dagegen die erwarteten Kosten und Risiken einer künftigen Lieferperiode. Das Frontjahr 2027 stieg im Juli von 92,41 Euro/MWh auf zeitweise 111,40 Euro/MWh und schloss den Monat bei 104,24 Euro/MWh – ein Plus von rund 13 Prozent. Parallel verteuerte sich Gas deutlich. Die Grafiken ordnen die historischen Marktwerte aus Juli und August 2026 ein.


Was das für Immobilienportfolios bedeutet

Immobilien beziehen Strom nicht nur in den günstigen Solarstunden. Bürogebäude, Handelsimmobilien, Hotels, Logistikobjekte und Wohnportfolios weisen unterschiedliche Lastprofile auf. Verbrauch in Abendstunden, Grundlast und saisonale Spitzen können deshalb genau in jene Stunden fallen, in denen flexible und teurere Kraftwerke den Preis setzen.

  • Der Abschlusszeitpunkt beeinflusst das Preisniveau, ist aber ohne Marktvergleich nur ein einzelner Stichtagswert.

  • Lastprofil und Lieferstruktur bestimmen, wie stark Spot- und Terminmarktbewegungen im Angebot ankommen.

  • Einzelangebote lassen sich nur mit identischen Mengen-, Laufzeit- und Risikovorgaben belastbar vergleichen.

  • Vollständige Lieferstellen-, Vertrags- und Verbrauchsdaten schaffen die Voraussetzung für echten Wettbewerb.


Spotmarkt und Terminmarkt getrennt beurteilen

Für August 2026 weist die verwendete Datenquelle beim Day-Ahead-Tagesbaseload eine Spanne von 75,63 bis 176,73 Euro/MWh aus. Der höchste Tagesmittelwert lag damit etwa beim 2,3-Fachen des niedrigsten. Das beschreibt Schwankungen kurzfristiger Lieferpreise und misst nicht das Abschlussrisiko eines mehrjährigen Festpreisvertrags. Für mehrjährige Lieferverträge ist jedoch nicht der Spotwert allein entscheidend: Relevant sind insbesondere das passende Terminmarktprodukt, das Lastprofil, Mengenrisiken, Lieferantenmargen und die vertragliche Flexibilität.


Was ein strukturierter Beschaffungsprozess leisten sollte

Vertragsenden, Kündigungsfristen und Lieferstellen frühzeitig konsolidieren.

  • Lastgänge und Verbrauchsmengen auf Portfolio- und Objektebene prüfen.

  • Preisziele, Laufzeiten sowie Festpreis-, Index- oder Tranchenmodelle vor der Ausschreibung festlegen.

  • Mehrere Lieferanten mit einem einheitlichen Leistungsverzeichnis ansprechen.

  • Angebote über einen belastbaren Preisspiegel und definierte Entscheidungskriterien vergleichen.

  • Marktentwicklung und Beschaffungsentscheidungen nachvollziehbar dokumentieren.


Fazit: Struktur schlägt Bauchgefühl

Die Merit Order erklärt, warum hohe erneuerbare Erzeugung und steigende Terminpreise gleichzeitig auftreten können. Für Immobilienportfolios folgt daraus keine pauschale Kaufempfehlung. Entscheidend ist, vor dem Marktfenster ausschreibungs- und entscheidungsfähig zu sein – mit belastbaren Daten, einer festgelegten Strategie und echtem Lieferantenwettbewerb.


Datengrundlage

Die Marktwerte beziehen sich auf Juli und August 2026 und wurden vor der Veröffentlichung erneut eingeordnet. Quellen: Next Kraftwerke – Strommarkt Juli 2026, Energieaktuell – Energiepreise und Agora Energiewende – Einordnung der Merit Order. Großhandelswerte sind keine Endkundenpreise und ersetzen keine individuelle Beschaffungsempfehlung.


Beschaffungsstrategie für Ihr Portfolio prüfen

Besprechen Sie mit NeoBid, wie Marktdaten, Verbrauchsprofile und Ausschreibungsstrategie für Ihre nächste Beschaffung zusammengeführt werden sollten.



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